
2004
wäre Salvador Dalí 100 Jahre alt geworden. In diesem Jahr häufen
sich Ausstellungen, Fernsehprogramme und Kongresse über diesen Künstler,
der durch seine Extravaganzen die breiten Massen erobern konnte. Mit Verrücktheiten
und allen möglichen medial ausgeschöpften Absurditäten zog
er die Aufmerksamkeit eines Publikums an, das sich nicht unbedingt für
Kunst, sondern für primitive Skandale begeistern liess.
Doch wer war Salvador Dalí wirklich ? Ist es möglich, dass ein
Marketinggenie tatsächlich verrückt ist ? Wohl kaum, denn ein geistig
labiler Mensch kann nicht unaufhörlich und mit der dalíschen Konsequenz
arbeiten.
Woher soll ein so vielbeschäftigter Mann (Mode-, Schmuckdesigner, Drehbuchautor,
Trickfilmzeichner, usw.) die Inspiration zu über 3.000 Gemälden
hergeholt haben ?
Die Antwort ist: Aus der Literatur.
Fern der psychologisierenden und meist auf Freud verweisenden vagen Interpretationen
seines Schaffens - die nach wie vor das publikumswirksame Image eines Wahnsinnigen
kolportieren wollen - entschlüssle ich seine Gemälde, Graphiken
und Schriften indem ich konkrete Entlehnungen aus der Literatur aufdecke.
Dadurch geht Dalí als Intellektueller hervor, der rational seine Inspirationen
ausschöpft. Für ihn waren seine Lieblingsbücher eine reichhaltige
Quelle an Ideen und Motiven, mit denen er seinen Mythos laufend bereicherte.
©2000 Karina Liebe-Kreutzner